Wissenschaftler aus Tansania und Papua-Neuguinea zu Gast in der Ethnologischen Sammlung – Forschungsprojekt zu Beständen aus der Kolonialzeit kooperiert mit Kollegen aus den Herkunftsregionen

Abb 1_PM Provenienforschung_Feder und Manase Flower Manase (Dar es Salaam) und Hannah Feder  (Göttingen) bei der Arbeit mit tansanischen Objekten aus der Ethnologischen Sammlung. Foto: Jens Matuschek.

Fast vier Wochen lang waren im September Gastwissenschaftler aus Tansania, Namibia, Kamerun und Papua-Neuguinea an insgesamt fünf niedersächsischen Museumsstandorten zu Gast. Die Einladung erfolgte im Rahmen des im Herbst 2018 gestarteten Kooperationsprojektes zu „Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen“ (PAESE). In sieben Teilprojekten arbeiten hier Ethnologinnen, Historikerinnen sowie ein Rechtshistoriker zu Herkunft, Erwerbungszusammenhängen, Netzwerken, Verwendungsformen und Deutungszuschreibungen von Objekten, die während der Kolonialzeit erlangt wurden und sich heute in den Museen und Sammlungen in Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim und Oldenburg befinden. Ein Ziel der Forschungen ist „herauszufinden, von wo die Ethnographica, durch wen und vor allem wie nach Göttingen kamen und wie sie hier verwendet wurden, um somit auch ein Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu entdecken, das gerade weil es teilweise so gewaltsam war, endlich erforscht werden muss“, so die Historikerin Prof. Dr. Rebekka Habermas, die ebenso wie ihre Kollegen aus der Ethnologie, Prof. Dr. Elfriede Hermann und Dr. Michael Kraus, eines der beiden Göttinger Teilprojekte betreut.

Abb 2_PM Provenienzforschung_Buga und Müller Tommy Buga (Port Moresby) und Sara Müller (Göttingen) im Gespräch über eine sogenannte “Doppelfigur”. Foto: Jens Matuschek.

Die untersuchten Objekte weisen seit mehr als hundert Jahren eine transkulturelle Biografie auf und zählen zum kulturellen Erbe sowohl ihrer Herkunftsregionen als auch der besitzenden Länder. Dass ihre Aufarbeitung gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus den Herkunftsländern erfolgen muss, ist für alle beteiligten Wissenschaftler eine Selbstverständlichkeit. Eine erste Phase der Zusammenarbeit konnte dank der Finanzierung der VolkswagenStiftung nunmehr umgesetzt werden. In Göttingen sichteten Flower Manase vom National Museum of Tanzania in Dar es Salaam und Tommy Buga vom National Museum and Art Gallery in Port Moresby (Papua-Neuguinea) gemeinsam mit den deutschen Projektmitarbeiterinnen Hannah Feder und Sara Müller Bestände aus ihren Heimatländern. „Die Verständigung über unsere Geschichte ist wichtig“, so Buga, „und ich hoffe sehr, dass die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren ausgebaut wird.“ Manase, eine international gefragte Expertin zur tansanisch-deutschen Geschichte, betont: „Es war gut, die Sammlungen sichten zu können. Nun kommt es darauf an, die vielen Lücken in der Dokumentation durch gemeinsame Forschungen zu schließen und angemessene Erzählungen über diese Objekte zu erarbeiten.“

Neben der konkreten Arbeit an den Objekten wurden Projektziele, erste Ergebnisse sowie die Möglichkeit verstärkter Formen der Kooperation in der Zukunft mit den Vertretern aller beteiligten Institutionen in mehreren Workshops ausgelotet. Fest vereinbart ist bereits ein weiterer Arbeitsaufenthalt von Gastwissenschaftlern im Sommer 2020.

Abb 3_PM Provenienzoforschung_Müller Buga Manase Feder Kraus

Sarah Müller (Göttingen), Tommy Buga (Port Moresby), Flower Manase (Dar es Salaam), Hannah Feder (Göttingen) sowie der Kustos der Ethnologischen Sammlung Dr. Michael Kraus, untersuchten gemeinsam während der Kolonialzeit erworbene Objekte aus den Regionen der heutigen Nationalstaaten Papua-Neuguinea und Tansania. Foto: Jens Matuschek.