GISCA 14: Rhetoriken der Sentimentalisierung – Jonas Bens 2017

Bens

Im Fall The Prosecutor v. Ahmad Al Faqi Al Mahdi hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) zum ersten Mal über die Zerstörung von Weltkulturerbe als Kriegsverbrechen verhandelt. Zentral war dabei die Bestimmung des Verhältnisses von Dingen und Menschen. Auf Grundlage einer während den Verfahren durchgeführten ethnographischen Gerichtssaalstudie und informiert von der Affekt- und Emotionsforschung, identifiziert dieser Artikel die rhetorische Praxis der Sentimentalisierung von Menschen und Dingen als einen entscheidenden Prozess der rechtlichen Bedeutungsherstellung. Durch Sentimentalisierung produzieren alle Parteien des Verfahrens durch ihre Rhetorik normative Arrangements von Körpern, indem die relevanten Personen, Dinge, und anderen Entitäten durch die Zuschreibung von Emotionen qualitativ unterschieden und affektiv zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Sentimentalisierungen bieten affektivemotionale Rahmen innerhalb derer der Grad von Schuld und Unschuld, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit beurteilt werden kann.

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Die Göttingen Institute of Social and Cultural Anthropology (GISCA) Occasional Paper Series veröffentlicht exzellente Abschlussarbeiten der Studierenden, aktuelle Forschungsergebnisse der Forschenden und Lehrenden des Institutes sowie herausragende Vorträge aus dem Institutskolloquium.

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Kū“ geht auf Reisen – Die Ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität unterstützt Stuttgarter Ausstellung mit hochkarätigen Leihgaben

Auf drei großen Expeditionen umsegelte James Cook im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in britischem Auftrag die Welt. Auf der dritten Reise landete er 1778 und 1779 auch auf Hawai’i. Die Beziehungen zwischen den Expeditionsmitgliedern und den Einwohnern blieben lange friedlich und waren von gegenseitigen Geschenken und Handelsgaben geprägt. Im Februar 1779 allerdings kam James Cook bei einer Auseinandersetzung auf Hawai’i ums Leben.

Heute sind die nach Europa gebrachten Gegenstände wichtige Quellen für das Leben in der Südsee zur Zeit der ersten Kontakte zwischen Pazifik-Insulanern und Europäern. Ungefähr 2.000 Objekte aus dem gesamten pazifischen Raum sind von den drei Cook’schen Expeditionen weltweit noch vorhanden. Der größte Einzelbestand, etwa 500 Zeugnisse materieller Kultur, gehört zur Ethnologischen Sammlung der Georg-August Universität. „Diese Objekte zählen zu den absoluten Spitzenstücken unserer Sammlung“, so Dr. Michael Kraus, Kustos der Sammlung. „Nur ausnahmsweise und zu ganz besonderen Anlässen verlassen sie unser Haus.“ Für „Hawai’i. Königliche Inseln im Pazifik“, eine von dem in Göttingen promovierten Hawai’i-Spezialisten Dr. Ulrich Menter am Stuttgarter Linden-Museum kuratierte Sonderausstellung, entschloss man sich am Institut für Ethnologie zu einer solchen Ausnahme. Insgesamt 25 Objekte, darunter Armbänder, Angelhaken und Rindenbaststoffe treten Ende September den Weg nach Stuttgart an. Zu den hochwertigsten Leihgaben zählen das Federbildnis, das den hawaiianischen Kriegsgott Kūka‘ilimoku repräsentiert, sowie ein Federhelm (mahiole). Bis zum 13. Mai 2018 dauert die Schau am Linden-Museum.

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Abbildung: Federbildnis des hawaiianischen Kriegsgottes Kūka’ilimoku (18 Jh.).

© Ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen (Foto: Harry Haase)

PhD Position: Narrating Science as a World-Making Activity – Sea Level Change in Singapore

‚The Research Group ‚Development and Knowledge Sociology‘ at the Leibniz Centre for Tropical Marine Research in Bremen, in collaboration with Fiction meets Science II, and the Fachbereich 8 at the University of Bremen, seeks a PhD candidate in the social sciences with grounded expertise in marine/coastal sociology, anthropology, area studies, human geography, gender, development, postcolonial or science and technology studies, working on tropical regions for a three-year VW-funded PhD-project as part of a work package entitled ‚Narrating Science as a World-Making Activity: Sea Level Change in Singapore‘, that forms part of the larger interdisciplinary project „Fiction Meets Science II: Varieties of Science Narrative“ (FMS II).‘ For more information see attachment:

Neue Publikation: “ Wir schützen unseren Park“

In unserer ‚Göttinger Reihe zur Ethnologie‘ (Göttingen Series in Social and Cultural Anthropology) ist Sascha Kesselers Buch ‚“Wir schützen unseren Park“ – Aushandlungsprozesse von Räumen, Identitäten und Institutionen im Pendjari-Nationalpark (Benin)‘ erschienen.

Abstract: Pendjari National Park in northern Benin is not only a tourist attraction and an area for the protection of biodiversity, it is also a showcase for participatory management approaches. Since its foundation as an animal protection area in 1954 under French colonial rule, the park has been object of often conflictual but productive negotiations between different groups of neighboring dwellers, such as peasants, herdsmen and hunters, as well as the park administration itself. During 19 months of fieldwork, ethnographic data on conflicts and negotiation processes were collected. Their detailed analyses show how different groups of actors construct the park as a socially relevant entity. Data from historical investigation and an extended case study of the participatory attempts at cooperation between the park administration and local hunters illustrate the social construction of spaces, identities as well as norms, values and institutions: Local hunters consider the park primarily a nowadays illegal hunting ground and a domain of spirits, while park administrators and international development actors declare it a zone of state-protected biodiversity. By showing how the national park and related spaces, identities, norms, values and institutions are socially produced, the analysis contributes to recent debates in the field of human-environment interaction and especially political ecology. Moreover, it offers complex insights and practical recommendations regarding participatory approaches to the management of natural resources and especially national parks.

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Stipendien für empirische Masterarbeiten an Internationalen Agrarforschungszentren

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) bietet Forschungsstipendien für MA-Arbeiten (und in Ausnahmefällen auch BA-Arbeiten) an Internationalen Agrarforschungszentren! Eine Betreuung ethnologisch ausgerichteter  Forschungsarbeiten in diesem Programm kann mit Prof. Nikolaus Schareika vereinbart werden. Bewerbungsvoraussetzungen und -modalitäten sind unter dem folgenden Link einsehbar: GIZ Forschungsstipendien an Internationalen Agrarforschungszentren.

Gleichstellungsbeauftragte* gesucht!

Liebe Studierende, Dozierende und Mitarbeitende der Ethnologie,

nachdem A. Witte seit einer Weile als eine der Institutsgleichstellungsbeauftragten (IGB) ausgeschieden ist, suchen wir nun eine neue (stellvertretende) Gleichstellungsbeauftragte*, die das Amt gemeinsam mit mir, Kristina Schneider, übernimmt.

Wenn du dich auch in der Gleichstellung engagieren möchtest, schicke bis zum 15.9. ein Motivationsschreiben an Christina Klöckner (fbsowi@gwdg.de). Eine nähere Beschreibung der Aufgabenbereiche einer IGB findest du in der Ausschreibung im Anhang.

Die Wahl der (stellvertretenden) IGB findet in der
Institutsgleichstellungsversammlung am 17.10.2017 um 11.45 Uhr im Hörsaal statt.

Kommt zahlreich!
Herzlich,
Kristina Schneider